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NEU: Lassen Sie sich mit 'Guided Tours' durch Hilsneriade.net führen!

Hier entsteht ein Forschungshypertext zur einem historischen Medienereignis von besonderer Tragweite, der sogenannten „Hilsner-Affäre“. Die Materialien zu den beiden Mordprozessen gegen den böhmischen Gelegenheitsarbeiter Leopold Hilsner (in den Jahren 1899 und 1900) werden hier als kulturelles Archiv des (europäischen) 20. Jahrhunderts arrangiert und kommentiert. Es wird vorgeführt, wie das antisemitische Phantasma des „jüdischen Ritualmordes“ die modernsten Diskursbereiche (Medizin, Recht, Kriminologie) und Medien (Presse, Karikatur, Postkarte, Photographie, Plakat) zu einer archaischen Macht verschaltete, die die Regeln des Rechtsstaats und der wissenschaftlichen Vernunft vorübergehend außer Kraft setzen konnte. Die Materialien zum Fall Hilsner veranschaulichen so auf exemplarische Weise das Heraufkommen eines graphische und sprachliche Bilder umfassenden, von den avanciertesten Medien und Kommunikationstechniken gestützten neo-archaischen Codes ‚vorgesellschaftlicher’ Gewalt und Grausamkeit, dessen Rekonstruktion maßgeblich zum Verständnis der Geschichte Mitteleuropas im des 20. Jahrhunderts beitragen kann.



Eine erste Konzeption des Hypertexts ist im akademischen Jahr 2002/2003 am Fachbereich 3 der Universität Siegen im Rahmen eines Projektseminars mit Studenten der Medienwissenschaft und der Literaturwissenschaft entwickelt worden. Gegenwärtig wird das Projekt mit finanzieller Unterstützung der Heinrich-Hertz-Stiftung (Düsseldorf) und dem Institut für Medienforschung der Universität Siegen zur einem internationalen Forschungsverbund ausgebaut. Die Materialien sollen für unterschiedliche Adressatenkreise differenziert aufbereitet werden: von Interessenten aus den Bereichen der Medien-, Kultur- und Geschichtswissenschaft über Lehrer und Schüler bis zu Journalisten und einem generell politisch und historisch interessierten Publikum. Zugleich versteht sich der Hypertext als Plattform für laufende Forschungen, die sich im Raster seiner Forschungsschwerpunkte ansiedeln lassen; in diesem Sinne wird eine schrittweise Vernetzung mit einzelnen Forschern, Forschergruppen und Institutionen angestrebt.
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