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"Die gegenwärtige Debatte, sowohl die General- als auch die Spezialdebatte, ist ziemlich regellos und ich bin mir dessen bewußt, daß der Gegenstand, den ich besprechen will, in mehrfachen Titeln und Kapiteln behandelt werden sollte und könnte."
(T.G. Masaryk)

I. Theoretische Ausgangspunkte


In zeitgenössischen Debatten, aber auch in jüngerer Zeit ist die Hilsner-Affäre als Lehrstück für den Konflikt zwischen ‚Vernunft und Unvernunft’, ‚Wissenschaft’ und ‚Aberglauben’ aufgefasst und dargestellt worden. Im Unterschied zu einer solchen normativen Betrachtungsweise zielt der Hilsner-Hypertext darauf ab, die historische Funktionsweise dieser Kategorien in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken. Am gleichermaßen folgen- wie aufschlussreichen Beispiel der Hilsneriade soll dargestellt werden, wie am Ende des 19. Jahrhunderts das seit dem Mittelalter in Europa verbreitete Narrativ vom 'jüdischen Ritualmord' in eine grundlegend veränderte Konstellation und Dynamik des gesellschaftlichen Wissens gerät. Dabei soll zugleich sichtbar (und diskutierbar) werden, auf welche Weise der moderne Antisemitismus nicht nur mit den aufkommenden 'Rassen-Theorien', sondern auch mit der Rede von der 'nationalen Identität' und mit der Ausdifferenzierung der Massenpresse verflochten ist. Ein vergleichender Blick auf die Dreyfus-Affäre soll zudem den Blick für eine europäische 'Geographie des Antisemitismus' schärfen.


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